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Turtle Terror



Saladita (Guerrero), Mexiko – Laut mehreren, voneinander unabhängigen Berichten zufolge, kam es am Playa La Saladita im mexikanischen Bundesstaat Guerrero in jüngster Vergangenheit gehäuft zu dramatischen Ereignissen im Line-up des dort ansässigen linken Pointbreaks. Die über einem Kieselsteinriff brechende Welle ist bekannt für ihr überdimensional langläufiges, zumeist tiefenentspanntes Auftreten und erfreut sich aufgrund dieser Tatsache in den letzten Jahren mit einer stetig steigenden Anzahl von lässigen Langbrettläufern über zunehmende Beliebtheit unter den wankelnden Wassersportenthusiasten. Nach den jüngsten Begebenheiten zeigt sich die Logger-Community jedoch schockiert und der als Usus geltende loosey-goosey Lifestyle der Branche ist einer allgemein spürbaren Verunsicherung gewichen. Erst vor wenigen Wochen konnte eine Gruppe internationaler Surftnomaden aus nächster Nähe beobachten, wie ein etwa 25-jähriger Chico seinen elegant eingeleiteten Toes-to-the-Noseride schlagartig unterbrechen musste, um einer ignorant dahintreibenden Schildkröte zu weichen. Gemäss der Aussage des Canggu-Expats, kam ihm das Tier unmittelbar nach dem entscheidenden Crossstep ohne klar ersichtlichen Grund auf seiner Gleitspur entgegen. Mit einem gekonnten Drop-Knee-Cutty riss der Langbärtige seine stylische 9ft Singelfin in letzter Sekunde in Richtung Wellental und konnte der drohenden Kollision somit knapp entgehen. Glücklicherweise entstanden bei diesem Zwischenfall keine größeren Personen- oder Sachschäden, der Dude verlor im Zuge seines Ausweichmanövers jedoch den Drive und kam anschließend auf äußerst unkontrolliert-kookische und entsprechend demütigende Art und Weise zu Fall. Nur wenige Tage später ereignete sich an fast der gleichen Stelle ein weiterer bizarrer Zwischenfall. Wie die örtlichen Surfhermanos mitteilen, ist der betroffene Beachboy noch immer stark traumatisiert und leidet unter quälenden Erinnerungen an seine schicksalhafte Begegnung. Der Mustache tragende Hotshot war mit dem Sonnenaufgang gegen 6.30 Uhr an den äußeren Peak des Breaks gepaddelt, um dort eines der größeren Sets in Empfang zu nehmen. Es dauerte nur wenige Minuten bevor er frothend zum Take-off mit seinem Asymmetrical ansetzte und den tiefen Drop ins Wellental begann. Dort angekommen leitete der Stokey-Stylemaster einen drawn-out Bottom Turn ein und katapultierte sich geradewegs entlang der fallenden Lippe ins Face der Welle, wo er seine Gleitgeschwindigkeit mit einem Layback-Wendemanöver ans Tempo des Peelers anpasste. Cheese-Luiiise! Nun befand er sich im perfekten Trim. Nach einem flüchtigen Arch verlagerte Sr. El Flexo seinen Körperschwerpunkt auf das vordere Drittel des Boards. Crouched-down schob der Goofy sein rechtes Bein in Richtung Nose, seine Intention eindeutig, Cheetah-five. Mühelos schob er seine Zehen über die vordere Kante des Brettes und glitt eine nicht unbeachtliche Weile frontseitig im Curl, aus Richtung der Pocket kommend, in Richtung der Schulter, dahin. Hoooly Moooly Guacamole! Plötzlich und unverhofft formte die Welle aufgrund des günstigen Gezeitenstandes an der Kreuzung Outside / Inside eine hohle Sektion und El Flexo, der mitunter auch als tüchtiger Tube-Hound bekannt ist, fuhr, anstatt die sonst übliche Falling Lip Umgehung zu nutzen, geradewegs in den Barrelbereich hinein. Unmittelbar vor der Einmündung Green Room bemerkte Flexo, dass ihm der cleane Exit wohl verwehrt bleiben würde und so wich er nach einer kurzen Shampoo Shower sicherheitshalber nach rechts aus und bog in die Ausfahrt Doggy-Door ein. Nach der erfolgreichen Ausweichlenkbewegung befand sich der Wellenreiter urplötzlich in einer unvorhersehbar ausweglosen Situation. Eine geradezu provokant auftreibende Wasserschildkröte versperrte ihm wohlweislich die einzig mögliche Line zur Inside. Trotz des Versuchs eines Last-Minute-Chop-Hops war der Zusammenstoß unvermeidlich. Durch die Kollision wurde der Surfer abgeworfen, geriet in Turbulenzen und schlug nach einem unkontrollierten Roller-Coaster-Ride auf der Wasseroberfläche auf, wo er kurzzeitig orientierungslos floatete. Aufmerksame Zeugen bemerkten, dass die Kröte nach dem Vorfall äußerst kaltschnäuzig in Richtung des Gestürzten schwamm und sich mit einer rotierenden Flossenbewegung augenscheinlich mit Kalkül in der Leash des Surfboards verfing, um den leicht benommen Surfer zu fesseln und mit einem anschließenden Tauchgang ihn die Tiefen des Ozeans zu ziehen. Intuitiv gelang es Sr. El Flexo mit einem beherzten Griff an den Klettverschluss seiner Fangleine, diese zu öffnen und sich in letzter Sekunde aus der bedrohlichen Situation zu befreien. El Flexo wurde leicht verletzt. Er zog sich mehrere Prellungen sowie eine Schürfwunde am linken Unterarm zu und klagte vor Ort über ein zunehmendes Schamgefühl die Welle nicht stillecht bis zum Ende geritten zu haben, so dass der Verdacht eines Kooktraumas besteht. Des Weiteren entstand durch die Schürfwunde ein Sachschaden an Flexos frisch gestochem Minimalist-Tattoo.










Gewaltdelikte wie die oben geschilderten, als Folge der hohen, zunehmenden und weit verbreiteten Allgemeinkriminalität in den Line-ups des Landes sind in La Saladita mittlerweile an der Tagesordnung. Branchenkenner schließen nicht aus, dass der hiesig stark verbreitete, betont laxe, hippe Style der als avantgardistisch geltenden Langbrett- und Retroistengemeinde ein möglicher Grund für die steigende Aggressionsbereitschaft der lokalen Bevölkerung ist, welche sich durch die hedonistische Nonchalanz der Hippster schnell provoziert oder belästigt fühlen könnten. Im Wesentlichen verweisen Experten jedoch auf die ohnehin prekäre Sicherheitslage Mexikos, die sich auch in anderen Gebieten des Landes anhaltend verschlechtert. Es mehren sich Gefechte krimineller Banden in verschiedenen Landesteilen und diese treten inzwischen auch immer häufiger an Reisezielen internationaler Touristen sowie am helllichten Tag auf. Besonders ausgeprägt ist die Gewalt in den nördlichen und westlichen Bundesstaaten entlang der Pazifikküste. Hauptverantwortlich für ein Großteil der Auseinandersetzungen sind das „Green Sea Turtle Kartell“ und das rivalisierende Syndikat der „Olive Ridleys“. Öffentliche Gewalt im Machtkampf der Organisierten Krötenkriminalität sind vielerorts an der Tagesordnung. Dabei werden gegnerische Bandenmitglieder oft brutal ermordet und auf Unbeteiligte wird gegebenenfalls keine Rücksicht genommen. Nicht selten werden die Leichen als Drohung öffentlich zur Schau gestellt. Erst kürzlich bot sich einer Handvoll Surfern im Line-up von Nexpa, einer erstklassigen Linken Flussmündungswelle im Bundesstaat Michoachan, ein grausames Spektakel. Zwei entstellte Krötenpanzer trieben für einige Tage nur unweit der Hauptpeak leblos umher und wurden von der Strömung anschließend Richtung Strand getragen. Ortsbewohner entdeckten hier die Botschaft einer aufstrebenden, noch unbekannten, jedoch immer häufiger in Erscheinung tretenden Vereinigung, in Form einer im Rachen platzierten Plastiktüte mit der Aufschrift: „So werdet ihr alle enden!“ Von einem weiteren Vorfall in Nexpa berichten zwei aus Deutschland stammende Vanreisende. Sie wurden bei einem abendlichen Strandspaziergang plötzlich von Spähern des Green Sea Turtle Kartells überrascht. Die Krötenkrieger spülten mit der hereinkommenden Brandung an Land und waren vermutlich am Auskundschaften potenzieller Territorien zur Ausweitung des äußerst lukrativen illegalen Wellenhandels. Nach unmissverständlichen Drohgebärden zogen sie sich jedoch schnell wieder zurück und die deutschen Surftouristen kamen nochmal glimpflich davon. Wenige Tage zuvor war der 35-Jährige im oben erwähnten La Saladita bereits Opfer sexueller Nötigung geworden. Hier kam es nachweislich zum Einsatz von Betäubungsmitteln zur Erleichterung der Tat. Sichtlich euphorisiert nach einem etwa 200 Meter langen Ride, hinderte ihn eine Olive Ridley beim Zurückpaddeln ins Line-up, wobei sie ihn verführte und zu Liebkosungen und mehreren intensiven Streichelhandlungen zwang. Aufgrund der strikten Folgeleistung der Hinweise des Auswärtigen Amtes, keinesfalls körperliche oder verbale Gegenwehr zu leisten, blieb der Deutsche glücklicherweise auch in diesem Fall von Schlimmerem verschont.

















Auch aufgrund der oben beschriebenen Vorkommnisse wird Wellenreitern von nicht unbedingt notwendigen Reisen in diverse Regionen Mexicos dringend abgeraten. Beträchtlicher Teile des Landes zählen zu den bedeutendsten „Biodiversitäts-Hotspots“ der Welt, womit die Konfrontation mit einer Vielzahl endemischer Pflanzen- und Tierarten sowie der allgemein besonders reichhaltigen Artenvielfalt, gerade auch im Hinblick auf unzählige Meerestiere, unumgänglich ist. Speziell auf einer Campingreise im eigenen Van lernt man von tiefgrünen, tropischen Regenwäldern im Süden, bis hin zu ausgedehnten Wüsten und Halbwüsten im Norden alle möglichen Ausprägungen an Küstenlandschaften kennen. Es besteht somit grundsätzlich eine erhöhte Gefahr von der Einzigartigkeit des Landes gefesselt und festgehalten zu werden. Die Flexibilität im rollenden Eigenheim verleitet häufig zum Aufsuchen entlegenerer, teilweise einsamer Strände, an denen die Überfallgefahr durch makellose Wellen besonders hoch ist. Die entstehende Euphorie bei der ersten Kontaktaufnahme mit solchen „Secret Spots“ verleitet nicht selten dazu das eigene Gefährt auf unvorsichtige Art und Weise im Tiefsand festzufahren. In diesem Zuge sollte man zunächst Ruhe bewahren, mit dem aktuell vorgefundenen Surf kooperieren und sich zu gegebener Zeit von einer Horde vertrauenswürdiger Muchachos aus dem Dreck ziehen lassen. Nicht selten kommt es an solchen Spots durch die Konstanz der vorgefundenen Dünung auch zu vorübergehenden Entführungen. Weitere Problematiken können durch die von Mai bis November andauernde Hurrikan-Saison entstehen. In dieser Zeit ist insbesondere an allen Küsten mit Tropenstürmen und intensiven Regenfällen zu rechnen, in deren Nachklang mitunter einwandfreie Sandbänke entstehen. Nach ausgedehnten Sessions ist jederzeit mit Erscheinungen des Surfed-out-Syndrom zu rechnen. Bei Langzeitaufenthalten ist ebenso darauf zu achten, dass ein entsprechender Impfschutz gegen das Laid-back-Sunshine-Surf-Fieber besteht. Die vorrangig durch tadellose und konstante Surfbedingungen übertragenen Infektion geht in der Regel mit Sonnenschein, angenehmen Wassertemperaturen, leichter Surfbekleidung und verhältnismäßig leeren bis verlassenen Line-ups einher und betrifft zunehmend Reisende aus wetter- und swelltechnisch-launischen, wetsuitlastigen Gefilden. Die Erkrankung kann noch Wochen bis Monate nach Aufenthalt im Risikogebiet ausbrechen und besonders bei nicht-immunen Europäern sind die Beschwerden langanhaltend und der Virus heilt nicht immer folgenlos aus. Regulars sind aufgrund der Dichte perfekter Righthander im Bundesstaat Oaxaca besonders gefährdet. Für Goofies besteht speziell in den Bundestaaten Guerrero und Michoacan ein erhöhtes Risiko.











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